Reinigungsratgeber

Fassadenreinigung: Seilklettertechnik vs. Gerüst


Skalitzer Str. 33, 10999 Berlin-Kreuzberg ·
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Gerüst oder Seilklettertechnik? Die Antwort entscheidet über Kosten, Dauer, Genehmigungen und nicht zuletzt über die Belastung der Mieter. Wir vergleichen beide Methoden anhand realer Einsätze in Berlin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seilklettertechnik spart bei Hochhäusern bis zu 40 Prozent der Kosten gegenüber einem Vollgerüst
  • Gerüste erfordern Sondernutzungsrechte auf dem Gehweg, die in die Stadt häufig monatelange Genehmigungsverfahren nach sich ziehen
  • Seilklettertechnik ist auf engen Berliner Hinterhöfen regelmässig die einzige praktikable Lösung
  • Für Sanierungsarbeiten mit schwerem Materialaufwand bleibt das Gerüst die sichere Wahl

Häufige Irrtümer zum Thema Gerüst und Seilklettertechnik

Wir erleben häufig, dass Hausverwaltungen mit falschen Annahmen an die Wahl des Zugangswegs herangehen. Hier die zwei verbreitetsten.

Irrtum

Seilklettertechnik ist gefährlich und unzuverlässig

Viele Hausverwaltungen sehen das Seilklettern als Hobbykletterer-Einsatz und trauen der Methode nicht. Die Vorstellung, jemand hängt an einem Seil an der Hauswand, wirkt bedrohlich.

Fakt

Industrielles Seilklettern ist streng reguliert und sicherheitsgeprüft

Die Zugangstechnik nach DIN EN 12811 und der Arbeitsschutz nach Betriebssicherheitsverordnung machen Seilklettertechnik zu einer der sichersten Arbeitsmethoden in der Hohenarbeit. Die Unfallquoten liegen unter denen von Gerustarbeiten.

Irrtum

Ein Gerüst ist immer die bessere Lösung

Viele Hausverwaltungen ordnen aus Gewohnheit ein Gerüst an, ohne die Alternativen zu prüfen. Ein Gerüst ist sichtbar, signalisiert Aktivität und gilt als etablierter Standard.

Fakt

Gerüste blockieren wiederholt den Gehweg und erzeugen hohe Nebenkosten

In Berlin erfordert ein Gerüst auf dem öffentlichen Gehsteig eine Sondernutzungsgenehmigung. Die Kosten dafür tragen die Eigentümergemeinschaft oder der Eigentümer. Dazu kommen Lärmschutzauflagen, verengte Gehwege und Dauerbelastung für Mieter und Anwohner.

Fassadengerüst: Der klassische Zugangsweg

Seit über 100 Jahren gibt es Fassadengerüste. Sie bleiben der Standard für verschiedene Baustellen und Reinigungsvorhaben. Ein Gerüst bietet eine stabile Arbeitsplattform auf der gesamten Fassadenbreite. Mitarbeiter können sich frei bewegen, Material lagern und ihre Werkzeuge bereithalten. Klingt ideal -- hat aber in der Berliner Praxis erhebliche Nachteile.

Wie ein Gerüst in Berlin aufgestellt wird

Bevor das erste Rohr auf den Boden gestellt wird, müssen Hausverwaltungen mehrere Hürden nehmen. Die Aufstellung eines Fassadengerüsts auf öffentlichem Grund -- also auf dem Gehsteig vor dem Gebäude -- bedarf einer Sondernutzungsgenehmigung nach dem Berliner Straßengesetz. Die Genehmigung wird beim bezirklichen Straßenamt beantragt und kann je nach Auslastung vier bis acht Wochen dauern.

Dazu kommen konkrete Auflagen. Der Gehweg muss für Fußgänger passierbar bleiben. Ist das nicht möglich, muss eine Umleitung eingerichtet werden. In Berliner Innenstadtlagen wie Mitte, Charlottenburg oder Friedrichshain ist das regulär nur mit aufwendigen Verkehrszeichenplänen machbar. Die Kosten für die Sondernutzung und die Verkehrsabsicherung trägt der Auftraggeber.

Kostenstruktur eines Fassadengerüsts

  • Auf- und Abbau: Bei einem 6-geschossigen Berliner Altbau kosten Montage und Demontage typischerweise 3.000 bis 6.000 Euro.
  • Standzeit: Ein Gerüst kostet pro Woche etwa 200 bis 400 Euro Standmiete. Bei vier Wochen Standzeit sind das 800 bis 1.600 EUR.
  • Sondernutzung: Die Gebühren für die Gehwegsperrung liegen in die Hauptstadt zwischen 50 und 200 EUR pro laufendem Meter und Monat.
  • Verkehrsabsicherung: Leitplanken, Verkehrszeichen, Beleuchtung: 500 bis 1.500 EUR einmalig.
  • Mieterausgleich: Mieter können bei dauerhafter Gerüstaufstellung eine Mietminderung geltend umsetzen, wenn Fenster blockiert oder der Lichteinfall beeinträchtigt wird.

Rechenbeispiel: Ein 6-geschossiger Altbau in Prenzlauer Berg, 15 Meter breit, vier Wochen Standzeit. Gerüstmiete: 1.200 EUR. Montage und Demontage: 4.500 EUR. Sondernutzung: 1.800 EUR. Verkehrsabsicherung: 900 EUR. Gesamtkosten allein für das Gerüst: 8.400 EUR, ohne die eigentliche Reinigung.

Seilklettertechnik: Zugang ohne Gerüst

Die Seilklettertechnik (auch Industrieklettern genannt) kommt ursprünglich aus der Gebäudereinigung von Hochhäusern. Inzwischen wird sie für Gebäude jeder Höhe eingesetzt, sofern die baulichen Voraussetzungen stimmen. Zertifizierte Industriekletterer arbeiten stets mit zwei unabhängigen Seilsystemen, einem Auffanggurt und fest verankerten Anschlagpunkten auf dem Dach.

In Berlin ist Seilklettertechnik besonders wertvoll, weil die Stadt dicht bebaut ist. Viele Altbauten stehen so nah aneinander, dass ein Gerüst physikalisch gar nicht passt. Hinterhöfe in Kreuzberg, Neukölln oder Mitte sind häufig nur drei bis vier Meter breit -- da passt kein Gerüst durch. Mit Seilklettertechnik arbeiten wir über das Dach und erreichen jede Fassade, egal wie eng die Lage.

Die Vorteile der Seilklettertechnik

  • Keine Sondernutzung: Das Gerüst wird nicht auf dem Gehweg aufgestellt. Keine Genehmigung, keine Gebühren, keine Verkehrsabsicherung.
  • Schneller Start: Keine mehrwöchige Genehmigungswartezeit. Wir können regelmässig innerhalb weniger Tage nach Auftragsgabe loslegen.
  • Flexibilität: Kletterer erreichen außerdem schwer zugängliche Bereiche: Dachrinnen, Gaube, Erker, Zwischenwände in Hinterhöfen.
  • Weniger Belastung für Mieter: Kein blockierter Gehweg, kein Bauzaun, keine Gerüstrohre vor dem Fenster. Die Mieter bemerken den Einsatz kaum.
  • Kostenersparnis: Bei Hochhäusern und engen Lagen sparen Hausverwaltungen 30 bis 50 Prozent gegenüber einem Gerüst.

Wann Seilklettertechnik nicht geeignet ist

Nicht jedes Gebäude lässt sich per Seil erreichen. Wenn Sanierungsarbeiten anstehen, bei denen großvolumiges Material an die Fassade transportiert werden muss (Putz, Steine, Dämmung), stossen Kletterer an Grenzen. Auch bei Gebäuden ohne geeignete Dachverankerung kann die Seilklettertechnik nicht eingesetzt werden. In solchen Fällen bleibt das Gerüst die einzige praktikable Option.

Direktvergleich: Gerüst vs. Seilklettertechnik

Für Hausverwaltungen, die sich entscheiden müssen, haben wir einen pragmatischen Vergleich der wichtigsten Kriterien erstellt. Beide Methoden haben ihre Berechtigung -- die Kostenunterschiede sind jedoch erheblich.

Kosten

Bei Gebäuden bis zu 5 Geschossen mit guter Gerüstverfügbarkeit ist das Gerüst häufig preiswerter. Die Einmalkosten für Aufbau und Abbau fallen nur einmal an. Ab 6 Geschossen und bei schwierigen Zugangssituationen kippt die Rechnung zugunsten der Seilklettertechnik. Wir haben Einsätze an Berliner Hochhäusern in der Neuen Mühlenstraße und am Ostkreuz durchgeführt, bei denen die Seilklettertechnik gegenüber einem Vollgerüst über 40.000 EUR einsparte.

Geschwindigkeit

Die Seilklettertechnik startet schneller, weil keine Aufbauzeit nötig ist. Ähnlich ist hingegen die reine Arbeitsgeschwindigkeit pro Quadratmeter. Der Zeitvorteil liegt in der Vorbereitungsphase: keine Genehmigungswartezeit, kein Gerüstaufbau, kein Abbau.

Gehwegbelastung

Dieser Punkt ist in Berlin entscheidend. Auf belebten Straßen wie der Torstraße, der Oranienstraße oder der Schönhauser Allee ist ein Gehweggerüst ein ständiges Hindernis. Fußgänger müssen ausweichen, Rollstuhlfahrer finden Barrieren, und die Anwohner äussern sich schnell unzufrieden. Mit Seilklettertechnik bleibt der Gehweg frei.

Praxisbeispiel aus Berlin-Kreuzberg: Eine Hausverwaltung an der Skalitzer Straße wollte die Fassade eines 7-geschossigen Althauses reinigen lassen. Ein Gerüst wäre außerhalb der Gehwegbreite geraten und hätte eine komplette Fahrbahnsperrung erfordert. Die Kosten hätten sich auf über 25.000 EUR belaufen. Mit Seilklettertechnik erledigten wir den Einsatz in fünf Arbeitstagen zu einem Bruchteil der Kosten.

Geeignete Berliner Szenarien für beide Methoden

  • Seilklettertechnik: Hochhäuser, Altbauten in engen Hinterhöfen, Gebäude an Hauptverkehrsstraßen, denkmalgeschützte Fassaden (keine Befestigungspunkte am Gebäude nötig), kurzfristige Einsätze.
  • Gerüst: Sanierungsarbeiten mit Materialtransport, Gebäude mit flankierenden Baumaßnahmen (Fensterwechsel, Dämmung), längerfristige Vorhaben mit mehreren Gewerken auf demselben Gerüst.

Weitere Informationen zur Fassadenreinigung mit beiden Zugangsmethoden finden Sie in unserem Leistungsangebot.

Häufige Fragen zu Seilklettertechnik und Gerüst

Ist Seilklettertechnik bei der Fassadenreinigung versichert?

Ja. Wir arbeiten mit zertifizierten Industriekletterern, die nach DIN EN 12811 und der Betriebssicherheitsverordnung arbeiten. Die Haftpflichtversicherung deckt sowohl Personenschäden als gleichfalls Sachschäden am Gebäude. Bei jedem Einsatz erstellen wir vorab einen Sicherheitsplan.

Wie schnell kann mit der Seilklettertechnik begonnen werden?

In der Regel innerhalb von drei bis fünf Werktagen nach Auftragsgabe. Es gibt keine Genehmigungswartezeit wie bei einem Gehweggerüst. Die Dachverankerung wird vor Ort geprüft und bei Bedarf durch einen Statiker freigegeben.

Kann Seilklettertechnik außerdem bei Regen eingesetzt werden?

Leichter Regen ist kein Problem. Bei starkem Regen, Sturm (ab Windstärke 6) oder Gewitter muss die Arbeit unterbrochen werden, da die Sicherheit der Kletterer Vorrang hat. Die Arbeit wird bei besserem Wetter fortgesetzt, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.

Was kostet ein Fassadengerüst in Berlin pro Woche?

Die Standmiete für ein Fassadengerüst liegt zwischen 200 und 400 Euro pro Woche, je nach Höhe und Breite. Dazu kommen Auf- und Abbau (3.000 bis 6.000 Euro bei einem typischen Altbau), Sondernutzungsgebühren und Verkehrssicherung. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 8.000 bis 15.000 Euro für einen vierwöchigen Einsatz.

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