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Praxishygiene

MVZ-Reinigung - Besonderheiten bei Medizinischen Versorgungszentren


Skalitzer Str. 33, 10999 Berlin-Kreuzberg ·
(030) 74690304
Dawid Marczyk
28.03.2026
12 Min. Lesezeit

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind keine großen Einzelpraxen. Sie führen mehrere Fachrichtungen unter einem Dach zusammen, haben höheren Patientendurchsatz und komplexere Hygieneanforderungen. Was das für die Pflege bedeutet und welche Fehler wir in Berliner MVZ am häufigsten sehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • MVZ haben durch verschiedene Fachrichtungen an einem Ort unterschiedliche Hygienestufen, die im Reinigungsplan separat berücksichtigt werden müssen
  • Die Reinigung muss auf den Betriebsablauf abgestimmt sein, da die Öffnungszeiten in MVZ regulär länger sind als in Einzelpraxen
  • Getrennte Reinigungswege für verschiedene Risikobereiche verhindern Keimverschleppung zwischen Fachrichtungen
  • Ein zentraler Hygienebeauftragter muss die Reinigungskräfte aller Fachrichtungen koordinieren und überwachen

Irrtümer zur Reinigung von Medizinischen Versorgungszentren

Medizinische Versorgungszentren sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Berlin verzeichnet einen der höchsten MVZ-Anteile bundesweit. Viele dieser Zentren übertragen die Reinigungsaufgabe an einen Dienstleister, ohne die Besonderheiten des MVZ-Setups zu berücksichtigen.

Irrtum

Ein MVZ ist wie eine große Einzelpraxis und braucht keinen Sonderplan

In einer Einzelpraxis gilt in der Regel ein einheitlicher Hygienestandard. In einem MVZ arbeiten Internisten, Hautärzte, Chirurgen und Radiologen unter einem gemeinsamen Dach. Jede Fachrichtung hat eigene Anforderungen an die Reinigung.

Fakt

MVZ brauchen bereichsspezifische Reinigungspläne mit unterschiedlichen Hygienestufen

Der Hygieneplan eines MVZ muss die verschiedenen Risikobereiche definierten und für jeden Bereich die passenden Reinigungsmaßnahmen festlegen.

Irrtum

Die Reinigung kann komplett nach Öffnungszeit erfolgen, wie in einer Einzelpraxis

zahlreiche einheimische MVZ haben verlängerte Öffnungszeiten, teilweise bis 20 Uhr. Manche Fachbereiche haben abends noch Patienten, während andere bereits schließen.

Fakt

Die Reinigung muss portionsweise zwischen den Fachabteilungen und Öffnungszeiten eingeplant werden

Ein klares Zeitfenster-Konzept ist notwendig. Teilreinigung während der Öffnungszeit, Grundreinigung abends nach Schließung des letzten Bereichs.

MVZ gegenüber Einzelpraxis: Was sich ändert

Medizinische Versorgungszentren haben besondere Anforderungen an die Praxisreinigung. Rechtlich als Kooperation mehrerer Arztpraxen organisiert, führt jede Fachrichtung ihre eigene Behandlung durch -- eine Hautarztpraxis hat andere Kontaminationsrisiken als eine radiologische Abteilung oder eine chirurgische Ambulanz.

Die wesentlichen Unterschiede im Überblick

  • Grösse und Patientenzahl: Ein MVZ in der Hauptstadt betreut täglich häufig über 100 Patienten -- ein Vielfaches einer typischen Einzelpraxis. Die höheren Frequenzen erfordern engere Reinigungsintervalle, besonders in Wartebereichen und Sanitärraumen.
  • Verschiedene Fachrichtungen: Jede Fachrichtung bringt spezifische Risiken mit. Der OP-Bereich benötigt strengere Desinfektionsvorgaben als eine augenärztliche Praxis, während das Laborbereich eines MVZ wiederum andere Reinigungsprotokolle verlangt als der Bereich für Physiotherapie.
  • Geteilte Bereiche: Wartezonen, Empfang, Sanitärraume und Pausenräume werden von allen Fachrichtungen gemeinsam genutzt. Das erhöht die Keimbelastung und erfordert häufigere Reinigung.
  • Komplexere Struktur: Längere Flure, mehrere Stockwerke und verteilt liegende Fachbereiche machen die Logistik der Reinigung anspruchsvoller. Reinigungskräfte müssen die Raumaufteilung kennen, um Kreuzkontamination zu vermeiden.

Berlin-Neukölln: Ein MVZ mit fünf Fachrichtungen an der Hermannstraße hatte Probleme mit der Logistik der Säuberung. Die Reinigungskräfte arbeiteten mit einem Tuch über alle Räume, inklusive Labor und Behandlungszimmer. Bei einer internen Hygieneprüfung wurde eine Keimverschleppung vom Labor in den Wartebereich festgestellt. Die Lösung: farbcodierte Tüscher (rot für Behandlungsräume, blau für Wartebereiche, grün für Sanitär) und strikte Trennung der Säuberungswege.

Risikozonen nach Fachrichtungen

Ein MVZ hat in der Regel Räume mit unterschiedlichen Hygienestufen. Die RKI-Einteilung unterscheidet zwischen Bereichen mit geringem, mittlerem und hohem Infektionsrisiko. In einem Versorgungszentrum können alle drei Stufen in einem Gebäude vorkommen.

Bereiche mit hohem Infektionsrisiko

  • Chirurgische Ambulanz: Hier finden Eingriffe statt, bei denen die Keimbelastung kritisch ist. Oberflächen müssen nach jeder Behandlung desinfizierend gereinigt werden. Der Boden bedarf täglicher desinfizierender Reinigung.
  • Labore: Blutproben, Urinproben und Gewebeproben werden hier verarbeitet. Kontaminationsgefahr ist hoch. Arbeitsflächen müssen nach jedem einzelnen Arbeitsschritt desinfiziert werden.
  • Sterilisation: Die zentrale Aufbereitung von Instrumenten erfordert einen eigenen Reinigungsplan, der streng getrennt von allen anderen Bereichen geführt wird.

Bereiche mit mittlerem Infektionsrisiko

  • Allgemeinmedizinische Untersuchungszimmer: Normale Sprechstunde mit geringer Kontaminationsgefahr. Tägliche feuchte Reinigung, Kontaktpunktdesinfektion je Patientenwechsel.
  • Radiologie: Untersuchungsbetten und Geräte müssen nach jeder Untersuchung desinfiziert werden. Der Raum selbst braucht tägliche Reinigung.
  • Wartebereiche: Kontaktpunktdesinfektion mehrfach täglich, grundlegende Reinigung abends. Bei hohem Patientenaufkommen stündlich.

Bereiche mit geringem Infektionsrisiko

  • Büroräume: Tägliche Grundreinigung, keine Desinfektion erforderlich.
  • Pausenräume: Tägliche Reinigung, bei Bedarf Kontaktpunktdesinfektion an Türklinken und Tischen.
  • Flure und Eingangsbereiche: Tägliche feuchte Reinigung, bei Nässe oder Verschmutzung sofortige Nachreinigung.

Logistik und Zeitplanung in MVZ

Die Zeitplanung der Reinigung in einem MVZ unterscheidet sich grundlegend von einer Einzelpraxis. Öffnungszeiten können bis 20 oder 21 Uhr reichen, teilweise sogar an Wochenenden -- was das Zeitfenster für die Grundreinigung erheblich einschränkt.

Drei-Zeitreihen-Modell

Für unsere MVZ-Kunden haben wir ein Modell entwickelt, das die Reinigung in drei Zeitreihen aufteilt:

  • Morgens vor Öffnung (06:00 bis 08:00 Uhr): Grundreinigung aller Bereiche. Boden, Sanitärräume, Wartezonen werden komplett gereinigt und desinfiziert. Der Raum ist bei Patientenankunft einwandfrei.
  • Während der Öffnungszeit (08:00 bis Schließung): Stützreinigung in Intervallen. Sanitärräume werden alle zwei Stunden kontrolliert. Wartebereiche bekommen Kontaktpunktdesinfektion. Behandlungsräume werden nach dem Patienten individually gereinigt.
  • Abends nach Schließung: Komplettsaeuberung sämtlicher Bereiche. Muellentsorgung, Bodenreinigung, Desinfektion der Sanitärräume, Auffuellen der Verbrauchsmaterialien.

Dieses Modell erfordert mindestens zwei Reinigungskräfte gleichzeitig, in großen MVZ mit über 1.000 Quadratmetern sogar drei. Zwar mögen die Kosten auf den ersten Blick höher wirken als bei einer Einzelpraxisreinigung -- bei der Berechnung pro Quadratmeter und der Berücksichtigung der höheren Hygieneanforderungen sind sie jedoch vergleichbar.

Organisation und Kommunikation

Die Reinigung eines MVZ funktioniert nur mit klarer Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Das beginnt bei der Praxisleitung und geht über den Hygienebeauftragten bis zur Reinigungsfirma.

Rollen und Verantwortlichkeiten

  • Geschäftsführung des MVZ: Trägt die Gesamtverantwortung. Beauftragt die Reinigungsfirma, stellt den Hygienebeauftragten ein, kontrolliert die Umsetzung.
  • Hygienebeauftragter: Erstellt den Hygieneplan, schult das Reinigungspersonal, führt Kontrollen durch und dokumentiert die Ergebnisse. In MVZ ist diese Rolle besonders wichtig, da sie alle Fachrichtungen abdecken muss.
  • Fachbereichsleiter: Melden besondere Reinigungsbedarfe (zum Beispiel nach ungüwöhnlichen Eingriffen) und kontrollieren die Sauberkeit in ihrem Bereich.
  • Reinigungsfirma: Führt die Reinigung durch, dokumentiert im Protokoll, meldet Mängel an den Hygienebeauftragten.

Mehr zu den rechtlichen Anforderungen (IfSG) an Reinigungskräfte in medizinischen Einrichtungen lesen Sie in unserem Beitrag zur Hygienebelehrung für Reinigungskräfte.

Häufige Fragen zur MVZ-Reinigung

Kann ein MVZ eine Reinigungsfirma für alle Fachrichtungen gemeinsam beauftragen?

Ja, das ist üblich und sinnvoll. Die Reinigungsfirma muss jedoch mit einem bereichsspezifischen Reinigungsplan arbeiten, der die unterschiedlichen Hygieneanforderungen der einzelnen Fachrichtungen berücksichtigt. Ein einheitlicher Plan für alle Räume reicht nicht aus.

Wie regelmässig muss ein MVZ grundlegend gereinigt werden?

Mindestens einmal täglich vor Öffnung und einmal nach Schließung. Zwischendurch werden Sanitärräume und Wartezonen kontinuierlich kontrolliert und bei Bedarf nachgereinigt. Bei hohem Patientenaufkommen empfehlen wir eine dritte tägliche Grundreinigung.

Wer ist der Hygienebeauftragte in einem MVZ?

Das MVZ muss einen eigenen Hygienebeauftragten benennen. Diese Person kann intern (meist ein Arzt des MVZ) oder extern (Hygiene-Fachkraft) sein. Der Hygienebeauftragte ist zuständig für den Hygieneplan, die Kontrolle der Reinigung und die Dokumentation.

Was kostet die Reinigung für ein MVZ in Berlin?

Die Kosten hängen von der Grösse, der Zahl der Fachrichtungen und den Öffnungszeiten ab. Für ein MVZ mit 1.000 Quadratmetern, fünf Fachrichtungen und Öffnungszeiten bis 20 Uhr liegen die monatlichen Kosten zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Ein exaktes Angebot erfordert eine Begehung vor Ort.

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