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Streusalz vs. Grit - Erlaubte und umweltfreundliche Streumittel
Jeder Berliner Winterdienst stellt die gleiche Frage: Salz oder Grit? Die Antwort ist gar nicht so einfach, weil es auf den Ort, die Temperatur und die rechtliche Lage ankommt. Wir zeigen, was auf Bürgersteigen erlaubt ist, was Grundwasser und Baumwurzeln schadet und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Auf Berliner Bürgersteigen ist Streusalz verboten. Erlaubt sind abstumpfende Mittel wie Grit, Sand oder Granulat
- Streusalz wirkt bis etwa minus 7 Grad Celsius, Calciumchlorid bis minus 20 Grad, Grit verliert ab minus 5 Grad seine Haftkraft
- Eingesammeltes Streugut muss im Frühjahr vom Eigentümer entsorgt werden. Der BSR nimmt es an, die Gebühr liegt bei 120 bis 200 Euro pro Tonne
- Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) ist die umweltfreundlichste Alternative, kostet aber mit 3 bis 5 Euro pro Kilogramm deutlich mehr als Grit
Häufige Irrtümer rund um Streumittel
Vor den Details klaren wir die beiden verbreitetsten Annahmen auf, die uns in der Praxis immer wieder begegnen.
Mehr Salz hilft mehr bei Glätte
Ein häufiger Gedanke: Wenn eine Schicht nicht reicht, mühelos doppelt streuen. Tatsache ist, dass überdosiertes Salz die Täwirkung nicht verbessert, den Boden jedoch stärker versäürt und die Nährstoffaufnahme von Bäumen blockiert.
Die richtige Menge macht den Unterschied
Bei Natriumchlorid reichen 10 bis 15 Gramm pro Quadratmeter. Das entspricht einem kleinen Haufchen. Wer mehr streut, verschwendet Geld und belastet Boden und Grundwasser ohne beneficios.
Grit kann man im Frühjahr unkompliziert liegen lassen
Viele Hausverwaltungen gehen davon aus, dass Grit von selbst verschwindet. Das stimmt nicht. Das Straßenreinigungsgesetz der Hauptstadt verpflichtet den Eigentümer, abgestreutes Material im Frühjahr zu entfernen.
Entsorgungspflicht liegt beim Verursacher
Wer Grit oder Sand gestreut hat, muss das Material einsammeln und entsorgen. Der BSR nimmt es an, verlangt doch Gebühren. Bei Baumängeln drohen Ordnungsgelder.
Streumittel im Vergleich: Wirkung, Kosten und Temperaturgrenzen
Wir setzen uns täglich mit der Frage auseinander, welches Streumittel für welche Situation geeignet ist. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: der vorhandenen Temperatur, dem Untergrund, der Verkehrslast und natürlich den Kosten. Hier eine Gegenüberstellung der gängigen Mittel.
Natriumchlorid (NaCl) - das klassische Streusalz
Natriumchlorid ist das am weitesten verbreitete Tau- und Streumittel weltweit. Es wirkt durch das Absenken des Gefrierpunkts von Wasser und löst Eis bis etwa minus 7 Grad Celsius auf. Darunter verliert es seine Wirkung. Der Einzelpreis bewegt sich um 0,10 bis 0,20 EUR pro Kilogramm, der Bedarf liegt bei 10 bis 15 Gramm je Quadratmeter.
Das Problem: NaCl ist aggressiv gegenüber Baustoffen. Betonbodenbeläge, Naturstein und selbst Asphalt köroden durch chloridhaltige Lösungen. Die Bewehrung im Beton fängt an zu rosten, wenn Chloride in die Poren eindringen und den Stahl erreichen. An Fassaden zieht Salz Feuchtigkeit und hinterlässt weiße Randausblühungen. Nach unseren Schätzungen aus über 20 Jahren Winterdienst in Berlin summiert sich der Bauschaden durch Streusalz auf einem typischen Mehrfamilienhaus auf 5.000 bis 15.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Calciumchlorid (CaCl2) - der Kaltstarke
Calciumchlorid wirkt bis etwa minus 20 Grad Celsius und entwickelt Wärme beim Lösen im Wasser. Dieser exotherme Effekt schmilzt Eis auch bei starkem Frost schnell. Der Preis beträgt 0,30 bis 0,60 EUR pro Kilogramm, der Einsatzbedarf liegt bei 15 bis 25 Gramm je Quadratmeter.
Die Nachteile: Calciumchlorid ist noch korrosiver als Natriumchlorid. Es zieht außerdem Feuchtigkeit aus der Luft, was den Bodenbelag aufquellen lässt und Risse begünstigt. Für Bürgersteige und Hauseingänge ist es ungeeignet. Im Straßenverkehr setzen manche städtische Bezirksämter es bei Extremfrost auf Hauptverkehrsachsen ein.
Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) - die umweltfreundliche Alternative
CMA ist ein organisch-mineralisches Streumittel, das aus Kalkstein und Essigsäure gewonnen wird. Seine Wirksamkeit erstreckt sich bis etwa minus 15 Grad Celsius, außerdem ist es biologisch leicht abbaubar. CMA greift Baustoffe nicht an und schont die Vegetation. Kostenpunkt: 3 bis 5 EUR pro Kilogramm, erforderlich sind 20 bis 35 Gramm je Quadratmeter.
Für wen lohnt sich CMA? Für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften, die Baumbestände auf ihrem Grundstück haben oder deren Gebäude anfällig auf Salzschäden reagieren. Die höheren Materialkosten gleichen sich durch die fehlenden Bauschäden aus. Wir setzen CMA gezielt an empfindlichen Stellen ein, etwa an historischen Fassaden in Charlottenburg oder Prenzlauer Berg.
Grit und Splitt - die allowed Standardmittel für Bürgersteige
Grit (Vulkangestein, Korngröße 2 bis 5 Millimeter) und Splitt sind die Standardmittel für einheimische Bürgersteige. Sie wirken nicht tauend, sondern abstumpfend: Die Knötchen sorgen für Griffigkeit auf glatten Flächen. Ihre Wirksamkeit reicht bis etwa minus 5 Grad Celsius, darunter friert eine Wasserfeuchtigkeitsschicht auf den Partikeln ein.
Der Preis liegt bei 0,06 bis 0,12 EUR pro Kilogramm. Da Grit eine dickere Schicht braucht als Salz, sind 30 bis 50 Gramm pro Quadratmeter erforderlich. Grit verursacht keine Korrosion an Baustoffen und schadet den Bauemern nicht. Dafür muss es im Frühjahr aufgesammelt werden.
Sand und Sägehacksel - improvisierte Mittel
Baumsand (Korngröße 0 bis 2 Millimeter) ist eine günstige Alternative, haftet dennoch weniger gut als Grit und verweht bei Wind zügig. Sägehacksel wirken abstumpfend und isolieren den Boden leicht, saugen sich trotzdem mit Wasser voll und frieren bei Dauerfrost zu einer harten Schicht zusammen. Für den professionellen Winterdienst sind beide Mittel nur als Notlösung geeignet. Wir raten davon ab, Sägehacksel auf befestigten Wegen zu verwenden, weil die nassen Häksel bei Tauwetter zu einer rutschigen Masse werden.
Was ist auf Berliner Bürgersteigen erlaubt?
Die Rechtslage in Berlin ist eindeutig. Nach paragraph 3 der städtischen Straßenreinigungssatzung (StrReinS) dürfen auf Gehwegen und in Fußgängerbereichen keine tauenden Mittel verwendet werden. Das betrifft sowohl Natriumchlorid als gleichfalls Calciumchlorid und ähnliche chemische Streustoffe. Zulässig sind einzig und allein abstumpfende Materialien wie Grit, Splitt oder Sand.
Auf öffentlichen Straßen und Fahrbahnen gilt eine andere Regelung. Hier ist der BSR (Berliner Stadtreinigungsbetrieb) für den Winterdienst zuständig und setzt bei Bedarf Salz oder Sole ein. Das betrifft Straßen, Radwege und Busfahrstreifen. Die Entscheidung, ob und wann gestreut wird, liegt beim BSR.
Für Hauseigentümer und Hausverwaltungen bedeutet das konkret: Wer auf dem vorderen Gehweg Salz streut, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Bußgeld kann bis zu 10.000 EUR betragen, tatsächlich verhängen die Bezirksämter meistens 50 bis 500 EUR. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass einige Bezirke in der Hauptstadt die Kontrollen verschärft haben, besonders in den inneren Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf.
Praxisfall aus Berlin-Wilmersdorf: Eine Hausverwaltung hatte jahrelang Salz auf dem Bürgersteig vor einem Mehrfamilienhaus gestreut. Nach einer Beschwerde eines Anwohners vor Ort Kontrolle durch das Bezirksamt. Ergebnis: 200 EUR Bußgeld und die Auflage, die Salzrückstände aus den Baumscheiben fachgerecht entfernen zu lassen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf über 1.500 EUR.
Auswirkungen auf Umwelt und Grundwasser
Die Hauptstadt trinkt ihr Wasser aus Grundwasserreservoirs, die direkt unter der Stadt liegen. Das macht die Stadt besonders empfindlich gegenüber Stoffen, die vom Boden ins Grundwasser gewaschen werden. Streusalz gehört zu den problematischsten Verunreinigungen.
Wie Salz ins Grundwasser gelangt: Gesteutes Salz löst sich in Schmelzwasser und Niederschlag. Ein Teil verdunstet nicht, sondern sickert in den Boden. Chlorid-Ionen sind sehr mobil und erreichen das Grundwasser rasch. Der Senatsverwaltung für Umwelt zufolge überschreiten an rund 30 Prozent der örtlichen Messstellen die Chloridwerte den Grenzwert von 250 Milligramm pro Liter.
Auswirkungen auf Baume: Die Stadt hat über 430.000 Straßenbäume. Salzrückstände in den Baumscheiben wirken wie ein Durstgift. Chloride stören die Wasseraufnahme der Feinwurzeln und führen zu Nadel- oder Blattverfärbungen. Im schlimmsten Fall sterben betroffene Baume innerhalb weniger Jahre ab. Der Austausch eines Straßenbaums kostet die Stadt rund 2.500 EUR. Für private Grundstückseigentümer, deren Baume an den Gehweg grenzen, kommt die Gefahr eines Baumkontroll-Verfahrens hinzu.
Haustiere: Hunde und Katzen lecken sich nach dem Spaziergang die Pfoten ab. Streusalz reizt die Haut zwischen den Ballen und kann zu Entzündungen führen. Im schlimmsten Fall nehmen die Tiere beim Ablecken tödliche Dosen an Chlorid auf. Tierärzte vor Ort berichten in jedem Winter von Zunahme an Patienten mit gereizten Pfoten. Grit ist für Tiere deutlich verträglicher, kann jedoch bei aufgeweichten Pfoten in die Haut einreiben. Die beste Maßnahme ist das Abwaschen der Pfoten nach dem Gassi-Gang.
Berliner Streumittelverordnung im Detail
Die städtische Straßenreinigungssatzung regelt nicht nur das Streuen selbst, sondern außerdem die Entsorgung der Streumittel. Wer abstumpfende Mittel wie Grit oder Sand verwendet, muss diese im Frühjahr entfernen. Die Frist beginnt typischerweise im März, wenn eine stabile Tauperiode einsetzt.
Wie die Entsorgung funktioniert:
- Einsammeln: Das Streugut wird von Wegen und Plätzen zusammengefegt
- Trennen: Verschmutztes Grit (mit Laub, Zigarettenstummeln, Schmutz) ist Siedlungsabfall und gehört in den Restmüll. Sauberes Grit kann teilweise wiederverwendet werden
- Abgeben: Der BSR nimmt Streugut auf Recyclinghöfen an. Die Gebühr liegt bei 120 bis 200 EUR pro Tonne
Für Hausverwaltungen, die mehrere Objekte betreuen, summieren sich diese Kosten. Wir kalkulieren die Gritentsorgung bei unseren Winterdienstverträgen von Anfang an mit ein, damit es im Frühjahr keine bösen Überraschungen gibt.
Richtig streuen: Technik, Menge und Lagerung
Die Art und Weise, wie gestreut wird, beeinflusst die Wirkung mindestens so stark wie das gewählte Material. Wir haben aus unseren Einsätzen in über 100 lokalen Objekten folgende Grundregeln abgeleitet.
Menge und Verteilung
- Grit: 30 bis 50 Gramm pro Quadratmeter, gleichmäßig verteilt. Das entspricht etwa einer Handvoll auf einen Quadratmeter
- Streusalz (nur auf Straßen!): 10 bis 15 Gramm pro Quadratmeter. Mehr bringt keinen zusätzlichen Nutzen
- CMA: 20 bis 35 Gramm pro Quadratmeter, am besten vor dem Eisregen streuen (präventiv)
Wir empfehlen, nie fläechendeckend zu streuen. Stattdessen nur dort, wo Glätte nachweislich vorhanden ist: Eingangsbereiche, Auffahrten, Rampen und Treppenstufen. Das spart Material und reduziert die Entsorgungskosten im Frühjahr.
Lagerung von Streumitteln
Grit und Sand sind unempfindlich und können im Freien gelagert werden, solange sie vor Staunässe geschützt sind. Eine Abdeckplane reicht aus. Streusalz hingegen zieht Feuchtigkeit und verklumpt bei unsachgemäßer Lagerung. Es muss trocken und abgedeckt gelagert werden, am besten in luftdichten Behältern aus Kunststoff.
CMA ist hygroskopisch (feuchtigkeitsanziehend) und muss zwingend in verschlossenen Gebinden gelagert werden. Offene Säcke ziehen Wasser und werden nach wenigen Tagen unbrauchbar.
Wann streuen?
Der beste Zeitpunkt für das Streuen ist vor dem Bildung von Eis, also bei einsetzendem Frost. Präventives Streuen mit Grit oder CMA wirkt besser als reaktives Streuen auf bereits vorhandene Eisfläche. Bei Glättewarnungen des Deutschen Wetterdienstes sollten Hausverwaltungen dafür sorgen, dass das Personal frühzeitig auf den Beinen ist. In der Praxis heißt das: Streuen zwischen 4:00 und 7:00 Uhr morgens, bevor die ersten Mieter das Haus verlassen.
Weitere Informationen zum professionellen Winterdienst in Berlin finden Sie in unserem Leistungsangebot Winterdienst.
Häufige Fragen zu Streumitteln im Berliner Winterdienst
Darf ich auf dem Bürgersteig vor meinem Haus Salz streuen?
Nein. Die Berliner Straßenreinigungssatzung verbietet tauende Streumittel auf Gehwegen und Fußgängerbereichen. Erlaubt sind nur abstumpfende Mittel wie Grit, Splitt oder Sand. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, Bußgelder reichen bis zu 10.000 Euro.
Was ist umweltfreundlicher als Streusalz?
Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) ist die umweltfreundlichste tauende Alternative. Es ist biologisch abbaubar, greift Baustoffe nicht an und schont die Vegetation. Der Preis liegt bei 3 bis 5 Euro pro Kilogramm. Für Bürgersteige empfehlen wir Grit, das ebenfalls umweltverträglich ist und nur im Frühjahr eingesammelt werden muss.
Wie viel kostet ein kompletter Winterdienst mit Grit für ein Mehrfamilienhaus in Berlin?
Die Kosten hängen von der Streufläche und der Häufigkeit der Einsätze ab. Als Orientierung: Für ein typisches Vierfamilienhaus mit 50 bis 80 Quadratmetern Gehweg liegen die jährlichen Kosten für einen beauftragten Winterdienst bei 400 bis 900 Euro. Darin sind Einsätze, Material und die Frühlingsentsorgung des Grits enthalten.
Muss ich das Grit im Frühjahr wirklich entfernen?
Ja. Das Berliner Straßenreinigungsgesetz verpflichtet denjenigen, der abstumpfende Mittel gestreut hat, diese nach dem Winter wieder einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen. Der BSR nimmt Grit auf seinen Recyclinghöfen an, die Gebühr beträgt 120 bis 200 Euro pro Tonne. Wer das Grit liegen lässt, riskiert ein Bußgeld.
Professioneller Winterdienst in Berlin
Weitere Informationen zum professionellen Winterdienst in Berlin finden Sie in unserem Leistungsangebot. Wir betreuen Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften in ganz Berlin mit dokumentierten Einsätzen, umweltfreundlichen Streumitteln und verlässlicher Erreichbarkeit rund um die Uhr.
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