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Sonderreinigung

Sonderreinigung in historischen Gebäuden in Berlin


Skalitzer Str. 33, 10999 Berlin-Kreuzberg ·
(030) 74690304
Dawid Marczyk
28.03.2026
10 Min. Lesezeit

Berlin besitzt über 4.000 denkmalgeschützte Gebäude. Viele davon werden als Gewerbeimmobilien genutzt. Für Hausverwaltungen bedeutet das: Jede Reinigungsmaßnahme muss den Denkmalrechtlichen Vorgaben entsprechen. Hochdruckreiniger an historischer Putzfassade? Gefährdungsanzeige. Saurehaltige Mittel auf Kalkstein? Strafverfahren. Wir zeigen, wie Sonderreinigung an historischen Gebäuden richtig läuft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Denkmalgeschützte Gebäude dürfen nur mit Methoden gereinigt werden, die die historische Substanz nicht beschädigen
  • Das Berliner Denkmalschutzgesetz (DSchG Bln) erfordert vorherige Genehmigung für Maßnahmen, die das Erscheinungsbild verändern
  • Hochdruckreiniger, säurehaltige Mittel und abrasive Verfahren sind auf historischen Oberflächen grundsätzlich verboten
  • Wir arbeiten mit denkmalgerechten Verfahren und koordinieren die Genehmigungen mit dem Landesdenkmalamt

Häufige Irrtümer zur Reinigung historischer Gebäude

Vor den Details räumen wir mit den Fehlannahmen auf, die zu Schäden an der Bausubstanz führen können.

Irrtum

Hochdruckreiniger sind die schnellste Lösung für verschmutzte Fassaden

Hochdruckreiniger gehören zum Standardrepertoire vieler Gebäudereiniger. Bei historischen Fassaden können sie irreversible Schäden verursachen.

Fakt

Hochdruck entfernt nicht nur Schmutz, sondern auch die historische Putzschicht

Historische Kalkputze und Sandstein sind porös. Der Wasserstrahl dringt in die Poren ein, lost Fügungsmittel und führt zu Abplatzungen. Das Land Berlin rechnet Schäden durch unsachgemässe Reinigung als Veränderung des Erscheinungsbildes.

Irrtum

Wenn das Gebäude nicht im Denkmalschutz steht, gelten keine Einschränkungen

Altbauten ohne offizielle Denkmalschutz-Listung gelten regelmässig als "erhaltungswürdig". Die Bauaufsicht kann trotzdem eingreifen.

Fakt

Erhaltungswürdige Gebäude unterliegen ähnlichen Einschränkungen

Nach paragraph 86 BauO Bln kann die Bauaufsicht die Erhaltung von Altbauten anordnen. Reinigungsmaßnahmen, die die Bausubstanz beschädigen, können untersagt werden.

Denkmalschutz: Rechtliche Grundlagen in Berlin

Die Rechtsgrundlage für die Reinigung historischer Gebäude in Berlin bildet das Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) in Verbindung mit der Bauordnung. Drei Bestimmungen sind für Reinigungsarbeiten massgeblich.

  • Paragraph 9 DSchG Bln: Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen an Baudenkmalen bedürfen keiner Genehmigung, sofern sie keine Veränderung der geschützten Substanz bewirken. Reinigung zählt hierzu, wenn sie die Oberfläche nicht anfasst. Sobald Verfahren eingesetzt werden, die Material abtragen könnten, ist eine vorherige Genehmigung erforderlich.
  • Paragraph 14 DSchG Bln: Wer ohne Genehmigung ein Baudenkmal verändert, handelt ordnungswidrig. Das kann Bussgelder bis zu 500.000 Euro nach sich ziehen. Schäden durch unsachgemässe Säuberung gelten als unzulässige Veränderung.
  • Paragraph 86 BauO Bln: Für erhaltungswürdige Gebäude ohne Denkmalschutzstatus kann die Bauaufsicht Erhaltungsauflagen erteilen.

Wann ist eine Genehmigung nötig?

Die Abgrenzung ist in der Praxis wiederholt unklar. Als Faustregel gilt: Jede Reinigung, die über eine wässrige Flächenreinigung hinausgeht, bedarf der Abklärung mit dem zuständigen Bezirksamt oder dem Landesdenkmalamt.

  • Keine Genehmigung nötig: Wässrige Reinigung von Glas, Metall und lackierten Flächen. Innenraumreinigung mit handelsüblichen Mitteln. Laubentfernung auf Gehwegen.
  • Genehmigung nötig: Säuberung von Naturstein-, Putz- und Ziegelfassaden mit abrasiven, chemischen oder druckbasierten Verfahren. Grundreinigung von historischen Böden. Entfernung von Grünbewuchs von Wänden.

Erlaubte und verbotene Reinigungsmittel

Die Wahl des Reinigungsmittels entscheidet darüber, ob die historische Substanz erhalten bleibt oder zerstört wird. Wir unterscheiden drei Kategorien.

Verbotene Mittel

  • Säurehaltige Reiniger auf Kalkstein, Sandstein und Kalkputz. Die Säure reagiert mit dem Kalk im Material und löst ihn auf.
  • Hochdruckreiniger auf porösen Natursteinen und historischen Putzen. Der Druck zerstört die Porenstruktur.
  • Chlorbleiche auf natürlichen Werkstoffen. Bleiche greift das Bindemittel an und verursacht Verfärbungen.
  • Lösemittel auf ölgähandten Holzflächen und historischen Anstrichen. Sie lösen den Schutzanstrich auf.

Bedingt erlaubte Mittel

  • Mild alkalische Reiniger auf Klinker und hartgebrannten Ziegeln. pH-Wert unter 9. Vorab an unauffälliger Stelle prüfen.
  • Lasergereinigung unter Aufsicht eines Restaurators. Entfernt Schmutzschichten ohne das Trägermaterial anzugreifen. Wir koordinieren den Einsatz mit zertifizierten Restauratoren.

Erlaubte Mittel

  • Reinstwasser mit neutralem pH-Wert für alle Naturstein- und Putzoberflächen. Die schonendste Methode, erfordert aber mehr Zeit und händische Arbeit.
  • Mikrofaser und weiche Borsten für Flächenreinigung. Keine Drahtbürsten oder Scheuerschwamme.
  • Biologische Reiniger auf Basis von Enzymen für organische Verschmutzungen. Enzyme bauen Algen, Moose und biologische Ablagerungen ab, ohne das Trägermaterial anzugreifen.

Denkmalgerechte Verfahren in der Praxis

Wir setzen bei historischen Gebäuden in Berlin auf drei Verfahren, die sich bewährt haben und vom Landesdenkmalamt akzeptiert werden.

1. Nebelreinigung (Trockeneis). Wir leiten einen Strahl aus winzigen Trockeneispartikeln auf die verschmutzte Fläche. Die Partikel verdampfen beim Auftreffen und nehmen den Schmutz mit. Das Verfahren arbeitet drucklos und hinterlässt keine Feuchtigkeit. Ideal für empfindliche Natursteinfassaden, Stuckelemente und historische Böden. Die Kosten liegen etwa 30 bis 50 Prozent über einer konventionellen Pflege.

2. Abramative Pulverstrahlung mit Weichstrahlgehäusen. Wir tragen feines Granulat aus Walnussschalen oder Kunststoff mit niedrigem Druck auf. Das Granulat ist weicher als die historische Oberfläche und entfernt nur den Schmutz. Wir setzen dieses Verfahren bei Sandsteinfassaden ein, die von jahrzehntelanger Luftverschmutzung gezeichnet sind.

3. Enzymatische Reinigung. Wir tragen enzymhaltige Reiniger auf, die über mehrere Stunden wirken. Die Enzyme bauen organische Verschmutzungen ab. Danach spülen wir mit Reinstwasser nach. Das Verfahren eignet sich für historische Klinkerfassaden und Terrazzo-Böden. Langsam, jedoch schonend.

Berlin-Spezifika bei der historischen Gebäudereinigung

Berlin hat drei Besonderheiten, die die Reinigung historischer Gebäude beeinflussen.

Umweltzone und Feinstaub. Historische Gebäude an Hauptverkehrsachsen wie der Friedrichstraße, der Kurfürstendamm oder der Karl-Marx-Allee sind besonders von Feinstaub und Russablagerungen betroffen. Die Partikel lagern sich in den Poren von Sandstein und Putz ein. Wässrige Pflege reicht hier regulär nicht aus. Wir kombinieren Enzymreinigung mit Pulverstrahlung, um die Ablagerungen schonend zu entfernen.

Stolpersteine und Erinnerungsorte. verschiedene Berliner Gebäude haben Stolpersteine vor dem Eingang oder sind als Erinnerungsorte ausgewiesen. Bei Säuberungsarbeiten im Eingangsbereich müssen diese geschützt werden. Wir sichern Stolpersteine vor Arbeitsbeginn mit Abdeckungen und koordinieren die Arbeitsschritte mit dem Bezirksamt.

Kriegsschäden und nachträgliche Sanierungen. Viele Berliner Altbauten tragen Kriegsschäden oder wurden in den 1950er bis 1970er Jahren unsachgemäss saniert. Zementputze auf historischem Mauerwerk, Sulfatbelastung durch industrielle Abgäse, Asbest in später eingebauten Füssbodenbeläge. Wir prüfen vor jeder Reinigung die Bausubstanz und passen das Verfahren an.

Praxisfall aus Berlin-Mitte: Ein denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude an der Markgrafenstraße hatte eine Sandsteinfassade, die seit 30 Jahren nicht mehr gereinigt worden war. Eine andere Firma hatte zuvor mit Hochdruckreinigung versucht, was zu Abplatzungen an den Stuckelementen geführt hatte. Wir haben nach Genehmigung des Landesdenkmalamtes die Fassade mit Weichstrahlpulverstrahlung (Walnussschalen) gereinigt. Die Arbeit dauerte drei Wochen für 400 Quadratmeter. Die Fassade wurde wieder in ihren Originalzustand versetzt. Die Kosten beliefen sich auf 12.000 Euro. Eine unsachgemässe Sanierung hätte das Vielfache gekostet.

Weitere Informationen zu Sonderreinigungen finden Sie in unseren Artikeln zur Dekontamination nach Contamination, zur Abgrenzung zwischen Reinigung und Schimmelsanierung und zur Reinigung von Sonderbauten.

Häufige Fragen zur Sonderreinigung historischer Gebäude

Wie finde ich heraus, ob mein Gebäude denkmalgeschützt ist?

Die Denkmalliste Berlin ist öffentlich einsehbar über die Datenbank des Landesdenkmalamtes Berlin. Außerdem ist der Denkmalschutzstatus in der Grundbuchabteilung eingetragen. Ihr Bezirksamt gibt auf Anfrage Auskunft. Wir prüfen den Status bei jeder Begehung und koordinieren bei Bedarf die Genehmigung.

Was kostet eine denkmalgerechte Fassadenreinigung in Berlin?

Für eine Sandsteinfassade mit Enzymreinigung liegen die Kosten bei etwa 25 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Trockeneisreinigung kostet 35 bis 60 Euro pro Quadratmeter. Die Gesamtkosten hängen vom Verfahren, der Flächengrösse und der Zugabigkeit ab. Ein Gebäude mit 200 Quadratmeter Fassade liegt bei 5.000 bis 12.000 Euro.

Wie lange dauert eine Genehmigung beim Landesdenkmalamt?

Für reine Reinigungsmaßnahmen liegt die Bearbeitungszeit bei etwa vier bis acht Wochen. Bei Sanierungsarbeiten, die mit der Reinigung verbunden sind, kann sie bis zu drei Monate dauern. Wir empfehlen, den Antrag frühzeitig einzureichen, da Reinigungsarbeiten in der warmen Jahreszeit durchgeführt werden sollten.

Darf ich als Hausverwaltung selbst Reinigungsmittel testen?

Ja, aber nur an unauffälliger Stelle und mit schonenden Mitteln. Wir empfehlen, einen Test auf maximal 50 mal 50 Zentimeter durchzuführen. Das Ergebnis fotografieren und dem Landesdenkmalamt vorlegen. So erhalten Sie schneller eine Genehmigung für die Gesamtfläche.

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